Ohrenentzündung  (Otitis)

 

Es gibt unterschiedlich schwere Formen der Ohrenentzündung. Zu unterscheiden ist zwischen der

  • Otitis externa- Gehörgangsentzündung, die man durch das Otoskop sehen kann. Ggf. muss ein Abstrich aus dem Ohr genommen werden, um zu bestimmen um welche Keime oder Parasiten es sich handelt. Oft ist der Staphylococcus Aureus beteiligt, aber auch viele andere Keime. Milben können ebenfalls eine Otitis auslösen, siehe Foto mit Milbenbefall unten rechts.
  • Otitis media- Mittelohrentzündung, die durchs Otoskop nicht sichtbar ist. Zu einer Computertomographie wird geraten.
  • Otitis interna- Innenohrentzündung, ebenfalls CT notwendig.

 

 Schlimme Otitis- Fälle können z.Bsp. einhergehen mit

  • Nahrungsverweigerung durch schlimme Schmerzen
  • Aggression, schmerzbedingt
  • Ausfluß aus dem Ohr
  • Beule am Ohransatz, evtl schmerzempfindlich
  • Apathie, schmerzbedingt
  • Ständiges Schütteln des Kopfes und Kratzen am Ohr
  • Kopfschiefhaltung  (Gefahr der Verwechselung mit E.C und entsprechend falscher Behandlung)

Eine Otitis gehört auf jeden Fall in die Hände eines kaninchenkundigen Tierarztes- je eher, desto besser sind die Erfolgschancen.

Eine Otitis wird durch abgeknickte, enge Gehörgänge begünstigt, da Ohrenschmalz gepaart mit Schmutz, nicht abfließen kann. So entsteht ein idealer Nährboden für Bakterien.

Entsteht erst einmal eine Entzündung, schwillt der Gehörgang weiter zu und das Problem verschlimmert sich.

Um dem entgegenzuwirken, ist Vorbeugung durch regelmäßige Ohrreinigungen, bestenfalls von Klein auf, sehr wichtig.

 

Vorzubeugen ist in jedem Fall besser und einfacher, als eine spätere, schmerzhafte Behandlung. Bildgebende Diagnostik und operative Eingriffe können zudem einen enormen, finanziellen Mehraufwand bedeuten.

All das ist nicht wünschenswert und ganz sicher in vielen Fällen, durch Prävention, vermeidbar.

 

Leider kann ich zu diesem Thema einiges aus eigener Erfahrung berichten.

Biba hatte vor Längerem Symthome einer Otitis externa und bleibt unter Beobachtung. Momentan sind ihre Ohren in Ordnung.

Bei Schnuffel, hat sich der Zustand der Ohren im Laufe der Zeit, stark verschlimmert. Ein Ohrgrundabszess links, bereitet uns Sorgen.

Puffel befindet sich in einem Stadium, das besondere Aufmerksamkeit fordert. Es lässt sich regelmässig Eiter aus beiden Ohren ausmassieren. Zur Zeit sind keine Schwellungen am Ohransatz tastbar. Die Gehörgänge sind zwar relativ eng, aber noch durchlässig. Das kann sich leider schnell ändern.

All meine betroffenen Kaninchen, haben einen abgeknicktem Gehörgang.

( jetziger Stand 09.04.2021-   3  1/2 Jahre alt )

 

Am ruhigen Verhalten der Tiere bemerkte ich anfangs, dass etwas nicht stimmte. Der TA stellte dann Eiter im Gehörgang fest.

Am Ansatz der Ohren, waren Wölbungen spürbar, die bei Kaninchen oft auf eine Entzündung hindeuten.

Die Tiere waren zu dem Zeitpunkt  1 1/2 Jahre alt. Also nicht mehr klein, aber durchaus noch jung.

 

Man kann beim Widder, bedingt durch den Knick des Gehörgangs, nicht tief genug in die Öhrchen schauen.  Es werden oftmals weitere Maßnahmen zur Diagnostik beim Tierarzt nötig, wie Röntgen oder CT, Abstriche aus dem Ohr etc.

Wir haben zunächst Röntgenaufnahmen gemacht.

Noch in der Praxis, wurden die Ohren mit Kochsalzlösung gründlich gespült und es kam jede Menge Ohrenschmalz und Sekret heraus.

Diese Behandlung, mit derselben Vorgehensweise und zusätzlicher Anwendung eines speziellen Ohrreinigers, führe ich seitdem zu Hause fort, um die Ohren sauber zu halten .

Mit meinem Otoskop schaue ich vor der Behandlung, ob Ablagerungen im Ohr sichtbar sind. Das Otoskop verfügt über eine kleine Leuchte und eine Vergrößerung.

Die Plastik- Kappen des Otoskops werden über Nacht in einer Desinfektionslösung gründlich desinfiziert, damit Krankheitskeime nicht von einem zum anderen Tier übertragen werden (Foto 2 unten). Bitte für jedes Tier eine frisch desinfizierte Kappe aufstecken.

Ohrreiniger muss zunächst satt ins Ohr hineinlaufen. Dagegen wehren sich die kleinen Patienten manchmal und müssen beruhigt werden. Eine zweite Person, ist unter Umständen hilfreich.

Der Ohransatz wird, mit vorsichtigem Druck, einige Minuten massiert, damit sich das zähe Sekret im Gehörgang etwas verflüssigt. Wenn sich das Tier nach der Behandlung schüttelt, um die Flüssigkeit aus den Ohren zu schleudern, können Schmutz, Eiter und Ohrschmalz zum Teil mit hochkatapultiert werden. All diese Ablagerungen, bieten einen guten Nährboden, für krankmachende Keime. Nach der Behandlung mit dem Ohrreiniger, werden die Ohren äußerlich von sichtarem Sekret gesäubert. Das kann wirklich eine ganze Menge sein. Man darf mit Wattenstäbchen nur im vorderen Bereich arbeiten, bitte nicht tiefer in den Gehörgang eindringen! Ein weiches Papiertaschentuch oder ein Feuchttuch kann ebenfalls gerne verwendet werden, um das Öhrchen auszuwischen.

Auf Fotos unten sieht man, wieviel Sekret ich regelmäßig aus den Ohren meiner Kaninchen ausmassieren kann. Um eine Vorstellung der Menge zu bekommen, liegt ein Wattestäbchen dabei.

 

Nach der Vorbehandlung mit dem Ohrreiniger, spüle ich wöchentlich, mithilfe einer Ernährungssonde (2mm Durchmesser), einer großen Spritze und Kochsalzlösung, die Ohren meiner Widder.

Dabei wird ein großer Teil Schmutz, Eiter und Ohrenschmalz, vom Ohrgrund hochgespült. Die Sonde wird ganz vorsichtig, ca 1,5cm tief  ins Ohr eingeführt. Man entwickelt ein Gefühl dafür, wie weit man gehen darf. Der Tierarzt hat mir natürlich anfangs genau gezeigt, wie man das macht.

Mach bitte keine Experimente. Eine genaue Einweisung, ist sehr wichtig, um das Tier nicht zu verletzen !

 

Inzwischen bin ich so geübt darin, dass ich die Prozedur bei Schnuffel und Puffel, allein schaffe. Biba ist gar nicht kooperativ. Deshalb kam es schon sehr oft vor, dass ich bei ihr von der Behandlung mit der Sonde absehen musste und nur der Ohrreiniger zum Einsatz kam.

Wenn man einen gutes, cerumenlösendes Produkt verwendet, reicht das durchaus aus.

Ich möchte natürlich keinem Tier wehtun. Wenn es sich zu sehr wehrt, ist mir das Risiko mit der Sonde zu arbeiten, zu hoch.

Da Biba schnell, extrem aus dem Häuschen ist, halte ich die Behandlung für sie so stressfrei, wie möglich.

Natürlich kommt es stark auf den Charakter des Häschens an und darauf, wie sehr es vertraut.

 

Meinen Schnuffel juckt es bei der Spül- Prozedur scheinbar sehr und es ist ihm unangenehm.

Der kleine Mann will immer mit der Pfote dazwischen fuchteln.

Puffel zeigt deutlich, dass er genervt ist, indem er mich mit seiner dicken Nase wegstubst und manchmal zwickt. Er wirkt jedoch nicht änstlich.

Behandlungszeit ist auch immer Zeit, für Liebe und viele Streicheleinheiten.

 

Die Sonde wird nach Gebrauch gründlich gereinigt und desinfiziert, sofern sie wieder verwendet werden soll. Man kann sie gut einige Minuten abkochen.

Die Sonden kann man in der Apotheke bestellen oder direkt beim Tierarzt danach fragen.

Die dünnen Gummischläuche  sind weich und am Ende abgerundet. Das ist wichtig, damit der Gehörgang nicht verletzt wird.

Die Kochsalzlösung zum Spülen, kann ebenfalls in der Apotheke erworben oder selbst hergestellt werden (siehe unten).

 

Der Tierarzt sollte bei Bedarf ein Antibiogramm erstellen lassen, um die Empfindlichkeit oder die Resistenz der im Ohr vorhandenen Erreger, gegenüber verschiedener Antibiotika, herauszufinden.  Diese spezielle Analyse ist wichtig, um gezielt das richtige Präparat zur Behandlung auszuwählen. Grundsätzlich wirken viele Antibiotika im Ohr eher schlecht.

Desweiteren kann lokal, mit Ohrentropfen behandelt werden. Ich habe Floxal ( Augentropfen ) vom TA bekommen.

Wichtig: Viele Ohrreiniger oder Tropfen, dürfen nur bei definitiv intaktem Trommelfell verwendet werden.  Kochsalzlösung ist unbedenklich.

 

In sehr schlimmen Fällen, werden manchmal Operationen angeraten.

Ich bin zwar permanent bemüht, solch einen Supergau irgendwie abzuwenden.

Bei Schnuffel fand am 14.04.2021 nun leider doch eine Gehörgangsresektion statt. Es hatten sich drei, mit Eiter gefüllte Kammern gebildet. Das Trommelfell stand aber zum Glück noch.

Zwei Fotos dazu unten rechts (Nach einer Woche hat sich die Wunde stark enzündet).

Nach einer Ohr-OP, ist  besonders intensive Pflege notwendig. Die Wunde muss mehrfach täglich gereinigt und desinfiziert werden. Dazu gibt es spezielle Wundspüllösungen, wie z. Bsp Vetericyn. Dies ist auch als Gel erhältlich. Es hält die Wunde feucht, desinfiziert, zerstört dabei aber keine gesunden Zellen.


Ich muss bei den betroffenen Kaninchen konsequent, regelmäßig Ohrenpflege betreiben, damit die Erkrankungen sich nicht weiter verschlimmern. Wahrscheinlich, solange die Tiere leben.

Weiteres hierüber im Gesundheitstagebuch.

 

 

Episqualan und spezielle Lösungen vom Kaninchen - Clan machen mir das routinemäßige Reinigen der Ohren inzwischen leichter und ersetzen weitestgehend die Prozedur mit der Sonde.

 

 

Zusammenfassend wichtig :

 

  • Ohren regelmäßig kontrollieren lassen
  • Konsequent reinigen/ spülen um vorzubeugen. Bestenfalls von Klein auf
  • Richtige Diagnose, bei Bedarf mit Röntgen oder CT Aufnahmen, Abstrich, Antibiogramm
  • Ggf. Behandlung mit dem passenden Antibiotikum, oral und lokal im Ohr
  • Schmerzmittel nicht vergessen, Kaninchen leiden still und oft unbemerkt
  • Ggf. Operation und intensive Nachbehandlung

 

 

Auf dem Röntgenbild sieht man deutlich die Entzündung im linken Ohr, bei einem meiner Kaninchen.  CT Aufnahmen würden das Ganze noch besser zeigen. Rechts mittig ist ein dunkler Fleck erkennbar, der zeigt, dass das Ohr belüftet ist. Links hingegen, ist keine dunkle Stelle erkennbar. Das Ohr ist deutlich schlechter belüftet.

 

Foto unten links zeigt Ohr mit Milbenbefall.  Foto mit freundlicher Erlaubnis zur Verwendung von www.kaninchen-clan.de

Ein Blick auf die Seite lohnt sich sehr. Zu vielen Themen, findest du dort informative Artikel. Es wird mit einem Video veranschaulicht, wie eine Ohrreinigung vonstatten geht. Saskia beschreibt zudem besondere Behandlungsmöglichkeiten, aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz.

 

Galerie unten zeigt Kaninchen nach OP.

Es hatte eine sehr schlimme Ohrenentzündung. Hier wurde das komplette Ohr entfernt, was allerdings in der Regel nicht oft so gemacht wird. In den meisten Fällen wird der Ohrlappen erhalten.

Dieses Tierchen musste schlussendlich leider doch eingeschläfert werden. Die Besitzerin hat alles in ihrer Macht stehende versucht, das Häschen zu retten. Aber da das Leid so groß war und keine Besserung eintrat, entschied sie sich, es zu erlösen.

 

Vielen Dank für diese aussagekräftigen Fotos, liebe Nadine.