Wenn Mama nicht zur Stelle ist - die Handaufzucht

Wenn die Kaninchen- Mama ihre Jungen nicht annimmt oder an einer nicht ansteckenden Ursache verstorben ist, gibt es mehrere Möglichkeiten. Wenn eine andere, säugende Häsin in der Nähe ist, kann man dieser die verwaisten Jungen unterschieben. Meistens nimmt diese Häsin die Kleinen dann als Amme an.

Zum anderen, wenn eine solche Möglichkeit nicht besteht, weil keine andere Zibbe da ist oder weil die verstorbene Mutter etwas ansteckendes hatte ( bitte dann keine Amme gefährden ! ), füttert man die Kleinen alle 2 Stunden mit Katzenaufzuchtmilch ohne Taurin und einem speziellen Fläschen. Die Nahrung plus Flasche gibt es beim Tierarzt oder im Zoo-Fachgeschäft. Die Ersatzmilch wird mit Fencheltee und einem Tropfen Sab Simplex gegen Blähungen versetzt. Bei älteren Babys dann zusätzlich mit etwas Päppelbrei. Die Zusammensetzung der hochkalorischen Muttermilch, kann industriell nicht zu 100%  nachgeahmt werden. Deshalb brauchen die Kleinen viele Mahlzeiten täglich. Die Nahrung muss leicht angewärmt verabreicht werden. Es ist darauf zu achten, dass die Babys sich nicht verschlucken! Wenn Milch in die Atemwege gelangt, kann das Kleine sterben.

Bitte keine normale Katzenmilch oder gar Kuhmilch verwenden. Diese sind von den Inhaltsstoffen her anders, als Aufzuchtmilch und daher absolut ungeeignet.

Die 3. Variante : wenn die Häsin wohl auf ist, aber ihre Kinder nicht selbstständig versorgt, kann man sie halten und die Babys 2-3 mal täglich (ca 5 Minuten pro Tier), nacheinander, an die Zitzen anlegen. Die Muttermilch ist sehr energiereich, deshalb muss nicht öfter gefüttert werden. Bei normaler Aufzucht, kommt die Mutter auch nur 1-2 mal am Tag zum Säugen. Um die Fütterung der Babys auf diese Weise problemlos zu schaffen, ist eine zweite Person notwendig. Man muss dabei sehr aufpassen, denn wenn die Mutter sich wehrt, muss das Baby sofort geschützt werden. Die Häsin könnte mit den Läufen schlagen und das Kleine schwer verletzen. Ruhiges Reden kann das Tier beruhigen. Muttermilcht ist, wenn es irgendwie machbar ist, immer die bessere Option. Eine laktierende Häsin braucht viel Energie und extrem viel Wasser. Gutes Futter ist in dieser Phase das  A und O. Die Schwangerschaft und die Milchproduktion ist kräftezehrend.

 

Wenn kein Mutterinstinkt vorhanden ist, sollten die Babys eine separate Unterbringung bekommen. Sonst könnten sie von der Häsin angegriffen werden. Man muss dafür sorgen, dass die Kleinen ein warmes, gepolstertes Nest haben. Heu und Haare der Mutter (etwas ausbürsten) halten die Jungen warm. Die Winzlinge kühlen sehr schnell aus, wenn sie nicht im Kuschel-Nest liegen. Ein relativ enges Kästchen mit Deckel ( Wurfbox), das kein Entfernen erlaubt, ist geeignet. Die Babys wärmen sich gegenseitig. Wenn eins wegrobbt, kann es kalt werden und sterben. 

Nach jeder Mahlzeit wird das Bäuchlein massiert, um die Verdauung anzuregen. Das würde die Mama normalerweise machen, indem sie ihre Kinder kräftig schleckt.

Die reine Handaufzucht, mit Ersatznahrung, ist enorm zeitaufwändig, denn die Versorgung muss öfter stattfinden, als beim natürlichen Säugen. Die Sterberate der Jungtiere ist hierbei deutlich höher, als normal.

Aber es ist nicht hoffnungslos.

Sobald die Mümmelmänner von allein ihre ersten Happen Grünfutter fressen, ist die schwerste Zeit vorüber. Man kann dann die Milchmahlzeiten langsam reduzieren, bis die Kleinen komplett selbstständig sind.

Lies auch mal hier : http://www.diebrain.de/k-handaufzucht.html 

 

Lass deine Rammler kastrieren, um unerwünschten Nachwuchs zu vermeiden ! Ein Laie, der von einer oben beschriebenen Situation überrascht wird, ist schnell überfordert. Deshalb ist Vorbeugung besonders wichtig. Selbst für kaninchenerfahrene Leute ist die Handaufzucht, falls diese notwendig wird, eine Herausforderung und ein organisatorischer Spagat. Hol dir zur Bestimmung der Geschlechter eine 2. Meinung ein, um Irrtümer auszuschließen.

 

 

Sarahs Handaufzucht
Sarahs Handaufzucht
Ersatznest
Ersatznest